Absolut Vodka – Absolut reiner Branntwein

Von Thomas Majhen 16. September 2016 0 Kommentar
Absolut Vodka – Absolut reiner Branntwein

Absolut Vodka – Sie gehört zweifelsfrei zu den bekanntesten Wodka-Marken unserer Zeit und kann unzählig Kühl- und Eisfächer unterschiedlichster Lokale ihr zu Hause nennen. Man findet sie in Clubs, Bars, Restaurants und sogar Kneipen, jeder kennt sie, manche lieben sie. Von „Branntwein“ würden wir heute zwar nicht mehr sprechen, doch ist klar, was Lars Olsson Smith seinerzeit mit der Namenswahl ausdrücken wollte: Hiervon kann man so viel trinken, wie man nur will, ohne fürchten zu müssen, zu erblinden, zu verblöden oder an einer Methanolvergiftung qualvoll zu sterben. Und wirklich, der Erfolg sollte ihm schließlich Recht geben.

Bankrott mit Folgen

Lars Olsson wurde in 1836 in Kiaby in Südschweden geboren. Sein Vater verspielte wenige Jahre später das gesamte Vermögen der Familie bei einem Spekulationsgeschäft und kam, da er seine Schulden nicht begleichen konnte, in Haft. Lars wurde daraufhin im Alter von 8 Jahren dem Konsul und Kaufmann Carl Smith, einem Gläubiger seines Vaters, anvertraut und von diesem mit nach Karlshamn genommen. Dort ging er zwar weiterhin zur Schule, musste jedoch im Gemischtwarenladen von Smith gelegentlich aushelfen und entdeckte so schließlich sein unternehmerisches Talent. Seinem Ziehvater zu Ehren, der ihn liebevoll erzog und ihm alles über die Tätigkeit eines Kaufmannes beibrachte, nahm er bald dessen Nachnamen Smith an. Mit 14 zog es ihn endlich in die Kapitale Stockholm, wo er nach einigen Zwischenstationen bald als Agent für verschiedene Destillerien arbeitete und in 1857 seine erste eigene Brennerei auf der Insel Reimersholme gründete.

Mit schottischer Technik zum Erfolg

Wodka war zu dieser Zeit neben Aquavit das In-Getränk Schwedens, und so war es nur naheliegend, dass sich Smith mit großem Eifer mit der Schöpfung einer eigenen Marke befasste. Zu diesem Zweck adaptierte er die schon in 1831 von dem Schotten Robert Stein erfundene kontinuierliche Destillation, mit deren Hilfe Alkohol effizienter von Fuselstoffen befreit und hoch ausdestilliert werden konnte, die allerdings in Schweden bislang kaum Beachtung gefunden hatte. In 1879 im Alter von nunmehr 43 Jahren vollendete Lars O. Smith endlich sein Meisterstück: Er brachte seinen Wodka  “Absolut rent Bränvin” (Absolut reiner Branntwein) auf den Markt, den er – um eine gesundheitsfördernde Eigenschaft zu suggerieren – in einer imitierten schwedischen Apotheken-Flasche abfüllen ließ, und drängte damit innerhalb kürzester Zeit viele Brenner der Umgebung aus dem Geschäft.

Der Wodka-Krieg

Die Kombination aus hochwertigem Produkt, dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung in Schweden sowie einer klugen Unternehmenspolitik ließ Smith in Windeseile unglaublich reich werden. Doch dieser Reichtum wurde Smith, der auch der “Spirituosenkönig” genannt wurde und kaum weniger luxuriös als König Oscar I. von Schweden selbst lebte, nicht neidlos zuerkannt. Hinzu kamen eher weniger seriöse Praktiken, so machte er sich seinen Einfluss zunutze, um andere Wodka-Marken zu diskreditieren und er rief sogar zu allgemeinen Boykotten gegen die entsprechenden Firmen auf. Dies brachte naturgemäß die staatlichen Brennereien der Stadt Stockholm auf den Plan, mit denen er sich Zeit seines Lebens erbitterte politisch-rechtliche Scharmützel lieferte, die im Volksmund auch als die „Wodka-Kriege“ bekannt wurden.

Sturz des Königs und Verstaatlichung

Ob es an Smith‘ verschwenderischem Lebensstil lag, an einigen misslungenen Spekulationsgeschäften (u. a. investierte er in südafrikanische Goldminen) oder aber daran, dass der schwedische Staat ihm die Geschäfte zunehmend schwer machte, jedenfalls starb der „Spirituosenkönig“ trotz seines enormen früheren Vermögens in 1913 im Alter von 74 Jahren in völliger Armut. Gerade noch rechtzeitig hatte Smith seine Memoiren verfasst und darin mit der Regierung und seiner verhassten Familie abgerechnet und sich so einen kleinen Rest Genugtuung gesichert. Nur 4 Jahre nach seinem Tod wurde die schwedische Alkoholindustrie endgültig verstaatlicht, woraufhin die Marke “Absolut rent Bränvin” in die neugegründete Vin & Sprit AB integriert wurde. Unter der staatlichen Leitung wurde der Verkauf der Marke ausgeweitet und zunächst auf ganz Schweden ausgedehnt.

Kalter Krieg, eiskalter Wodka

Im Jahr 1979 liebäugelte man mit dem überaus profitablen US-Markt, doch gab es dabei ein Problem: Wodka galt den US-Bürgern als etwas typisch Russisches, schwedischer Wodka hingegen mutete ihnen doch recht ungewöhnlich an und wurde zunächst skeptisch beäugt. Doch spielte der Kalte Krieg dem Staatsunternehmen in die Hände, wurden die Handelsbeziehungen zwischen der Sowjetunion und den USA doch fast vollständig eingestellt. Diese politisch bedingte Ausschaltung der Konkurrenz und eine konsequent durchgeführte Verjüngung der Marke, in deren Folge sie nur noch schlicht “Absolut” genannt wurde, brachten letzten Endes den gewünschten Erfolg. In den folgenden Jahrzehnten drängte V&S auch auf andere Märkte und exportierte in immer mehr Länder, doch brachte der EU-Beitritt Schwedens im Jahr 1995 eine starke Einschränkung des staatlichen Vertriebsmonopols für Spirituosen mit sich. Dies führte letztlich zum Verkauf von V&S an den Konzern Pernod-Ricard in 2008. Heute ist Absolut die drittgrößte Spirituosen-Marke der Welt, in 126 Ländern erhältlich und einer der bekanntesten und beliebtesten Wodkas überhaupt.


Absolut Vodka Produkte:

Für Absolut Vodka wird ausschließlich Winterweizen verwendet, welcher als besonders kräftig gilt und in Schweden aufgrund der klimatischen Bedingungen nur einmal im Jahr geerntet werden kann. Die Marke wird in einer einzigen Destillerie in Åhus hergestellt, unweit Kiabys, des Geburtsortes von Lars Olsson Smith.

Absolut Vodka – nach der Rezeptur von 1879 mit alc. 40% vol.; durchschn. 20 €/l; auch erhältlich als Red bzw. seit 2010 als Absolut 100 mit alc. 50% vol.; durchschn. 25 €/l

Absolut Flavoured Vodka Absolut-Vodka versetzt mit verschiedenen natürlichen Aromastoffen; erhältlich als Kurant (Schwarze Johannisbeere), Citron, Mandarin (Orange und Mandarine), Peppar (Pfeffer), Vanilia,Apeach (Pfirsich), Ruby Red (Grapefruit), Pears (Birne), Raspberri (Himbeere), MangoWild Tea (Schwarztee), Äpple (Apfel und Ingwer), Gräpe (grüne Traube, Drachenfrucht und Papaya), Cherrys (Kirsche, weiße Cranberry und Pflaume), Hibiskus (Hibiskus und Granatapfel), Cilantro (Koriander und Limette) und Berri Açaí (Acai, Blaubeere und Granatapfel); alle alc. 40% vol.; durchschn. 19 €/l

Oak by Absolut – Absolut Vodka für mehrere Monate in amerikanischen und französischen Eichenfässern gereift; durch die Zugabe von Eichenspänen wird die Aufnahme von Farb- und Aromastoffen beschleunigt; alc. 40 % vol.; durchschn. 32 €/l

Absolut Elyx Single Estate Handcrafted Vodka – in einer kupfernen Brennblase aus dem Jahr 1921 unter direkter Aufsicht eines Brennmeisters gebrannt; der verwendete Weizen stammt ausschließlich von den Feldern des Schlosses Råbelöf, der eine besondere Qualität aufweist; alc. 42,3 % vol.; durchschn. 50 €/l

Foto: by Bruno Bense lizensiert unter (CC BY-NC 2.0)

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