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Das Besondere an Bitterem

von Chris 24. Januar 2016 1 Kommentar

Barkeeper und bittere Drinks

Barkeeper lieben es bitter. Eine Tatsache, an der sich nur schwer rütteln lässt. Wenn man einen Barkeeper fragt, für welche Geschmacksrichtung sein Herz höher schlägt, antwortet er fast immer mit:Bitter″. Da stellt man sich schon die Frage, ob Barkeeper im Job eine Liebe zu Bitterstoffen entwickeln oder der Job einfach Menschen anzieht, die sich bevorzugt (im wahrsten Sinne des Wortes) was aus bitterem machen. Ich kenne zumindest keinen Barkeeper, der euphorisch aus der Haut fährt, wenn er sich selbst zum Feierabend einen Sex On The Beach oder Watermelon Man kredenzt um sich das Prozedere der Tagesabrechnung zu versüßen. Sicherlich wird das auch vorkommen, jedoch sind die Glukose-Fans unter uns eher in der Minderheit.

Was man selbst mag, verkauft man besser

Steile These mag mancher jetzt in den Bildschirm seufzen. Im Umkehrschluss meiner Behauptung könnte man davon ausgehen, dass wir Barkeeper, bittere Spirituosen und bittere Cocktails in rauen Mengen über die Theke reichen. Schließlich kann man sich nicht davon freisprechen, dass man ein Produkt, für welches das eigene Herz höher schlägt, einfach besser verkauft. Jein. Einerseits ist das schon wahr. Hat man ein Produkt auf der Karte, von dem man besonderes überzeugt ist, und für das man auch besonders einsteht, verkauft man es leichter als alle anderen. Trotzdem sind viel Gäste im Bezug auf bittere Drinks schlicht und ergreifend beratungsresistent. Sobald das Wort Bitter in der Beschreibung des Cocktails fällt, zögert manch einer und gibt sich dem Bewährten hin. „Schade, lassen Sie sich ihre Piña Colada schmecken. Mal wieder.“

Warum mögen es wenige bitter?

Die Fähigkeit bitteres wahrzunehmen haben wir von Geburt an. Es ist ein Schutzreflex von Mutter Natur, der uns daran hindern soll, giftige Früchte und Kräuter zu verzehren. Nimmt man also etwas Bitteres in den Mund, sendet das Gehirn den Befehl: Sofort ausspucken! – dies nennt man den gustofazialen Reflex . Die Natur hat allerdings sehr großes Vertrauen in unsere Sozialkompetenz. Sie verlässt sich darauf, dass wir im Laufe der Jahre genug eigene Erfahrungen gesammelt haben bzw. von den Älteren erlernt haben, was giftig ist und was nicht. Dieser Schutzreflex, geht nämlich meist am Ende der Adoleszenz verloren. Unser Geschmackssinne werden im Alter schlechter und somit nehmen wir auch bitteres nicht mehr so intensiv war, wie einst als Heranwachsender. Und damit nicht genug, meist vernehmen wir sogar Bitterstoffe plötzlich als Genussmittel. Jeder heutige Kaffee-Junkie, der in seiner frühen Jugend das Gesicht verzog, wenn er mal heimlich an Muttis türkisch aufgebrühten Kaffee geschlürft hat, wird das bestätigen können. Auch das erste Glas Bier hat wahrscheinlich keiner von uns als das beste kühle Blonde seines ganzen Lebens im Hinterkopf. Das liegt einfach daran, dass unsere Geschmacksrezeptoren in der Jugend noch nicht bereit sind um bitteres als Genussmittel wahrzunehmen. Von Mensch zu Mensch ist unterschiedlich, wann sich dies ändert. Bei den meisten passiert das allerdings mit ca. 16 Jahren. Man könnte fast meinen, dass Mutter Natur in dem Punkt mit unserem deutschen Jugendschutz-Gesetz einverstanden ist. Einige Menschen verlieren diesen Schutzreflex allerdings nie. Womit wir wieder bei unserem jungen Freund mit der Piña Colada wären. –Noch eine? Klar doch!

Medizinisches

Da fragt man sich doch wie es sein kann, dass etwas, wogegen uns sogar die Natur zu schützen versucht, uns im Krankheitsfalle so gut bekommt. Klar, keiner von uns hatte damals Freude daran, bittere Medizin aus kleinen Kunststoffbechern zu schlürfen. Allerdings ist es kein Geheimniss, dass viele Bitterstoffe eine nützliche Anwendung in der Medizin gefunden haben. Von Mundtrockenheit bis Magenbeschwerden, kaum ein Symptom, welches sich der geballten Power der Naturheilkunde entziehen kann. Jedoch hat sich nicht jedes Medikament bewährt. Angostura wurde beispielsweise ursprünglich zur Bekämpfung der Tropenkrankheit entwickelt. Als der Bitterstoffe in der Medizin seinen Zweck nicht erfüllte, erfreute er sich bereits als Würzmittel großer Beliebtheit. Die Grundlage unserer heutigen Bitters war geebnet. Natürlich ist Angostura Bitter bei weitem nicht das einzige Produkt, welches es aus der Medizin in die Bar schaffte. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

 Bild: Kevin O’Mara

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