Dry Gin

Gin Sul – Gin wie er sein sollte?

Gin Sul

Gin Sul – Alemanha até Portugal

Gin Sul – Wer mich kennt, weiß dass meine Leidenschaft dem Gin gilt. Dies scheint irgendwie eine „Berufskrankheit“ zu sein. Ich frage mich noch immer, ob man als Bartender irgendwann dieser einzigartigen Spirituose verfällt, oder der Job einfach potentielle Gin-Fans in seinen Bann, und somit anzieht.

Wie so viele meiner Kollegen, war auch ich mit dem Aufkommen der „Neuen deutschen Gin-Welle“ erfreut, dass unsere favorisierte Spirituose nun auch bei der Masse vermehrt Anklang findet. Da macht das Arbeiten doch gleich viel mehr Spaß. Schließlich kann keiner den Fakt von der Hand weisen, dass man die Produkte besser verkaufen kann, die man auch selbst favorisiert. Und wenn man Kunden hat, die die persönliche Leidenschaft teilen, vergeht die Arbeit doch wie im Flug.

Wie alles im Leben, hatte für mich jedoch auch die „Neue deutsche Gin-Welle“ ihre Schattenseite. In Scharen ploppten Gin-Marken wie Waldpilze aus dem Boden. Keine Frage, Vielfalt ist etwas Tolles und ein belebter Wettbewerb hat auch noch niemanden geschadet. Für uns Bartender und viele Gin-Fans wurde es allerdings zunehmend schwerer, einen Überblick zu behalten. Besonders verrückt wurde es, als sich die deutschen Spirituosen-Produzenten die Ärmel hochkrempelten. Kaum hat man einen Gin entdeckt und verkostet, waren wieder zwei neue da. Die Umstände erinnerten an die Vermehrung der Gremlins, nachdem sie mit Wasser in Kontakt gekommen waren.

Und wenn wir eines aus den Kultfilmen lernten, dann dass man dem nur einhält gebieten kann, indem man etwas Licht ins Dunkle bringt. Dafür schaue ich mir heute Gin Sul etwas genauer an.

Herkunft und Wurzeln des Gin Sul

Gin Sul, der Gin aus der Altonaer Spirituosen Manufaktur erfreut sich seit dem Jahr 2013 großer Beliebtheit. Aber was genau hat der Hamburger-Exportschlager eigentlich mit Portugal zu tun? Eigentlich sollte Gin Sul in Portugal hergestellt werden. Aufgrund der Bürokratie der Portugiesen, verwarf der Gründer Stephan Garbe diesen Plan und begann Gin Sul in Hamburg, seiner Heimatstadt zu destillieren.

Die Botanicals, welche im Gin Sul verarbeitet werden, haben ihren Ursprung vorwiegend im Südwesten Portugals. Von der Costa Vincentina werden diese nach Hamburg exportiert und hier zum Gin verarbeitet.

Das Design

gin-sul-flascheDie Flasche des Gin Sul ist im Vergleich zu den meisten Gins blickdicht. Die Tonflasche mit dem Naturkorken ist wahrscheinlich ein Pfeiler des Erfolgs des Altonaer Gins. Sie hebt sich im Rückbuffet,von den Mitbewerbern ab und macht neugierig auf ihren Inhalt.

Der Aufdruck ist, ganz nach dem Hamburger Gusto, maritim-minimalistisch gehalten und wirkt nicht zu verspielt. Ihm entnehmen wir die Klassifizierung „Dry Gin“. Zudem finden wir die Wörter „handcrafted“ und „Small batch“. Diese verdeutlichen, dass Gin Sul in kleinen Abfüllungen und in Handarbeit seinen Weg in die Flasche findet. Außerdem können wir dem Aufdruck die Bezeichnung „Saudade destilled in Hamburg“ entnehmen. Destilled in Hamburg erklärt sich sicherlich von alleine. „Saudade“ ist hingegen ein Begriff, welchen der Hersteller auf seiner Website wie folgt erläutert:

Saudade kann man eigentlich nicht übersetzen. In der Times wurde Saudade gar in die Top-Ten der „unübersetzbaren Wörter der Welt“ gewählt. Wenn man so will, beschreibt der Ausdruck eine Mischung aus Sehnsucht, Wehmut, einer Art Weltschmerz und nostalgischer Melancholie. Kurzum: etwas Unerreichbares, was zugleich schön und traurig ist – zum Beispiel ein Sonnenuntergang am Atlantik. – www.gin-sul.de

Das Marketing von Gin Sul

gin-sul-motorradDas Marketing von Gin Sul ist wie der Gin selbst. Irgendwie anders. Und das ist ganz und gar nicht negativ zu verstehen. Auf dem BCB (Bar Convent Berlin) präsentierte sich Gin Sul in diesem Jahr mit einem relativ kleinen Tresen. Das drumherum hingegen war sehr speziell und hob sich von den Nachbarn ab. Coole Dekoration in Form von einem Gin-Sul-Motorrad und eine Liege, auf der man sich tätowieren lassen konnte, waren die Kundenstopper des Gin-Herstellers aus Hamburg. Klar, dass viele Besucher   neugierig auf die Marketing-Strategie ansprangen und die Kamera-App ihres Smartphones betätigten und somit unweigerlich stehen blieben. Was mir allerdings besonders positiv auffällt ist die wahnsinnig abgefahrene Qualität der Fotos auf der Website und Facebook Fanpage. Der eine oder andere mag jetzt denken: „Gute Bilder machen die doch alle.“ – Nein, machen sie eben nicht. Entweder sehen die Szenen so gestellt aus, dass man es direkt als Werbung erkennt oder die Bilder sind nebenbei mit dem Smartphone geschossen. Schaut mal an dieser Stelle hier auf der Facebook-Seite in die Fotos. Gin Sul zeigt wie es geht und verurteilt die Konkurrenz auch in dieser Kategorie zum Zuschauen.

Botanicals des Gin Sul

Zistrose im Gin Sul
© Puusterke [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Gin Sul vereint insgesamt ……….. Botanicals. Darunter befinden sich unter anderem Wacholderbeeren, Koriander, frische portugiesische Zitronen, Rosmarin, Piment, Lavendel, Zimt und Zistrose. Die meisten Botanicals sind sicher allen ein Begriff. Etwas nähere Erläuterung bedarf es allerdings bei der Zistrose. Diese ist eine widerstandsfähige Pflanzengattung, welche unter anderem in Portugal aufzufinden ist. Das besondere an der Pflanze ist, dass die Blätter zum Schutz vor der Sonneneinstrahlung ein Harz, das sogenannte Labdanum absondern. Dieses Harz sondert einen sehr speziellen und unvergleichlichen Duft ab. Auf dem Bild ist deutlich zu erkennen, dass das Harz eher einer Betauung gleicht.

Aromen & Geschmack des Gin Sul

In der Nase ist der Gin Sul bereits etwas Besonderes. Auch hier weicht er dezent vom Standard ab und überrascht mit ausgewogenen Zitrusaromen, einer dezent dominanten Wacholdernote und würzigen Nuancen von Rosmarin und der Zitrose. Dezent im Hintergrund hält sich dagegen der Zimt, was dem Gin allerdings auch in Karten spielt.

Geschmacklich überzeugt Gin Sul nicht nur im Tonic. Mit seinen 43 % Vol. sollte man meinen, dass er im puren Zustand doch etwas zu scharf wäre. Dem ist allerdings nicht so. Auch hier kommen die Aromen super durch und überfordern die Zunge zu keinem Zeitpunkt. Verhältnismäßig weich mag man ihn schon gar nicht herunterschlucken, da von Sekunde zu Sekunde die Aromen kräftiger werden.

Besonders beeindruckend ist, dass die Komplexität erhalten bleibt, wenn der Gin seinen Weg ins das passende Tonic Water gefunden hat. Ich persönlich bevorzuge an dieser Stelle das klassische Tonic von Fever Tree. Zu verspielte und süße florale Tonics sagen mir mit Gin Sul eher weniger zu.

Résumé

Gin Sul ist ein würdiger Vertreter der deutschen Gins, welcher unsere frische Gin-Nation auch international würdig vertreten kann. Das Marketing ist klasse, die Verpackung des Produktes schaut super aus und der Gin hält das, was er verspricht. Für mein persönliches Empfinde setze ich Gin Sul an die Spitze der deutschen Gins. Auch wenn die Mitbewerber aus der Schwarzwald bei der Masse vielleicht mehr Sympathisanten haben werden, bekenne ich mich an dieser Stelle dazu, dass mein Gin-Herz in Hamburg Altona schlägt.

Gin Sul - Dry Gin
8.9 Unsere Meinung
9 Leser-Meinung (2 Abstimmungen)
Cool
Cooles Design
Außergewöhnliche Aromen
Gutes Preisleistungsverhältnis
Design der Flasche9
Wertigkeit der Flasche9.5
Komplexität des Geruchs9
Komplexität des Geschmacks8.5
Vielseitigkeit der Anwendung8
Extravaganz9.5
Preis - Leistung9
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Bilder: www.gin-sul.de

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