Hendricks Gin

Hendrick´s Gin – Ein Premium-Gin oder nur gutes Marketing?

von Chris 25. September 2016 0 Kommentare

Hendrick´s Gin ist in den letzten 15 Jahren zweifelsohne in nahezu jeder Bar angekommen. So ziert die elegante und dennoch freche Apothekerflasche doch derweilen nahezu jedes Rückbuffet in den Bars. Aber nicht nur in der Gastronomie ist dieser Gin ein starker Vertreter. Auch für den Einzelhandel ist er zugänglich und räumte sich so seinen Platz in den Hausbars der Gin-Fans ein. Aber ist Hendrick´s denn so gut wie sein Ruf ihm voraus eilt oder steckt dahinter einfach nur eine ausgeklügelte Marketingstrategie?

Wo kommt Hendricks´s Gin her?

Hendrick´s wurde erstmals im Jahr 1999 in der schottischen William Grant Whisky-Brennerei destilliert. Dem Whisky-Brenner David Steward, der als Master Blender für Balvenie Whisky tätig war, kam die Idee für den Hendrick´s Gin in einem Rosengarten beim Genuss von Gurkensandwiches, einem beliebten und typisch britischen Snack. Was so verwunschen und romantisch klingt, sollte der Grundstein für die Erfolgsgeschichte Hendricks´s Gin werden. Bereits im Jahr 2000 startetet die Markteinführung des Gins in den USA. Einige Jahre später folgte die Markteinführung in den meisten europäischen Ländern. Vorangetrieben wurde diese besonders durch die Campari Deutschland GmbH, welche für den Import und den Vertrieb bei uns zuständig ist.

Was steckt drin in der Apothekerflasche

Ab hier schauen wir uns die hübsche Apothekerflasche mal etwas genauer an und analysieren mal was hinter dem Etikett steckt. Hier finden wir nämlich mach interessante Information über den schottischen Gin.

Small Batch

Der Flasche des Hendrick´s entnehmen zuerst die Informationen Small Batch. Das bedeutet, eine geringe Auflage um die Produktion mit Ruhe und Sorgfalt zu überwachen. Was genau die Definition von „Small“ in diesem Fall ist, kann ich nicht sagen. Ich gehe davon aus, dass es sich grundlegend wie beim Whisky verhält. Ich habe auch nichts gefunden, was darauf hindeutet, dass der Begriff „Small Batch“ einer gesetzlichen Bestimmung unterliegt. Sollte das zutreffen, ist der Begriff lediglich, um den Mund der Konsumenten geschmierter Honig.

Handcrafted

Des Weiteren lesen wir Handcrafted, also handgemacht. Ein weiterer Begriff der zusätzliches Vertrauen erweckt. Handgemacht ist immer gut. Das hat so viel Klang wie Vom ehrlichen Bauern aus ihrer Region oder Emissionsarm transportiert. Da würde man sich halt gerne mehr drunter vorstellen können. Dass der Bezug nicht auf die Abfüllung etc. gegeben ist, leuchtet natürlich ein. Ich weiß nicht wie viele Flaschen Hendricks´s pro Jahr über die Theken gehen und ich will das alles wirklich gerne glauben. – Ich frage mich jedoch: 

Wie viel Handarbeit steckt in einem Produkt, das einen kometenhaften Aufstieg vom absoluten Nischen-Produkt zur Mainstream-Marke schlechthin hingelegt hat?

Betrachtet man die Wirtschaft und vergleicht die Qualität eines Produktes vor der Expansion einer Firma mit demselben Produkt nach eben dieser, sollte das eine durchaus berechtigte Frage sein. Eine Frage die sich auch viele Spirituosenhersteller gefallen lassen sollten.

Keine Frage, mir persönlich schmeckt Hendricks´s Gin noch genau so gut wie damals, als ich das erste Glas des feinen Tröpfchens trank. Aber beachtlich ist das schon, was da für Mengen in „geringer Auflage“ und in Handarbeit produziert werden.

Gin

Hendrick´s Gin

© Bild: Martin lizensiert via CC BY-NC-ND 2.0

Weiter auf dem Etikett. Destilled and Bottled in Scotland. Gut, das der Hendrick´s nicht aus Rumänien kommt haben wir ja heute bereits geklärt. Darauf werde ich jetzt also mal nicht weiter eingehen.

Viel interessanter ist der Aufdruck Gin. (An dieser Stelle bitte eine Person vorstellen, welche geballte Fäuste an der Schläfe anliegend hat und diese vom Kopf führt während die Fäuste sich öffnen und die Finger auseinander spreizen. Ausblende: Mindblowing)

Ja es ist so. Hendrick´s ist ein Gin. Verrückt. Der Laie wird sich jetzt denken: Ja?! Und Weiter?! Der Gin-Kenner weiß allerdings direkt den Hendricks zu kategorisieren. Er trägt nämlich weder den Aufdruck London Dry Gin noch sonst irgendeine plakative Schmeichelei. Das liegt sicher nicht daran, dass die Bescheidenheit der Marke darauf verzichtet. Nein, Hendrick´s darf diese Qualität einfach nicht tragen, weil er diverse Kriterien nicht erfüllt oder vielmehr erfüllen will.

So werden beispielsweise zwei Destillate hergestellt, welche mit selbigen Botanicals auskommen. Bei der einen Variante wird allerdings die „vapour Infusion Methode“ angewendet. Hierbei werden die Botanicals nicht in den Alkohol gegeben, sondern in einen Korb gelegt. Durch diesen Korb steigen die alkoholischen Dämpfe auf und nehmen die Aroma schließlich auf. Beide Destillate werden dann laul Hersteller zu gleichen Teilen verschnitten,

Nach diesem Prozess werden Essenzen hinzugegeben, welche die charakteristischen Aromen von Rosen und Gurken erzeugen. Auch dies ist ein Prozess, welcher bei einem „Dry Gin“ oder „London Dry Gin“ nicht erlaubt wäre.

Hendrick´s Gin – EST. 1886

Moment mal. „EST. 1886“ bedeutet soviel wie „Eingeführt 1886„. Da kann was nicht stimmen. Wir haben ja bereits gelesen, dass Hendrick´s erstmals Ende des 20. Jahrhunderts destilliert wurde und nicht ende des 19. Jahrhunderts. Auf dem Markt kam er ja auch schließlich erst Anfang des 21. Jahrhunderts.

Und da liegt für mich tatsächlich irgendwie der Hund begraben. Die Jahreszahl geht nämlich auf die Gründung der ersten Destille William Grant´s zurück. Der Kunde, der die Flasche erstmalig erspäht, sieht den Vintage-Look, sieht die Jahreszahl und schenkt dem Produkt sein Vertrauen. Das die Zahl mit dem Produkt nichts zu tun hat, kann man ja nicht ahnen.

Ich persönlich kann diese Form des Marketings nicht für gut heißen Ich sehe das als eine Marketing-Strategie, auf die ein cooles Produkt wie Hendrick´s Gin nicht zurückgreifen muss.

Die Botanicals

Im Hendrick´s Gin werden insgesamt 11 verschiedene Botaniclas verarbeitet. Diese werden wie bereits oben beschrieben in zwei Destillaten auf nach unterschiedlichen Methoden verarbeitet. Die Zutaten, die neben den Essenzen aus Gurken und Rosenblüten die Aromenträger des Gins darbieten sind:

  • Wacholderbeeren
  • Koriandersamen
  • Engelwurz
  • Orangenschalen
  • Zitronenschalen
  • Veilchenwurzel
  • Kamille
  • Pfefferbeeren
  • Holunder
  • Schafgarbe
  • Kümmel

Das Marketing von Hendrick´s Gin

Das Marketing vom Hendrick´s Gin ist tatsächlich eine Klasse für sich. Unabhängig davon, dass der Style des viktorianischen Zeitalters gepaart mit Einflüssen aus der Steampunk Szene besonders ankommt. Auch die Slogans wie zum Beispiel It is not for everyone oder A most unusual gin haben in der Szene ihre Spuren hinterlassen. Egal ob Verpackung, Merchandising, Messestände, Zeppeline, Website oder was auch immer. Bei Hendrick´s ist allen auf den Punk und ziemlich durchdacht. Daran lässt sich nicht rütteln. Lasse ich mein persönliches Haar aus der Suppe (Die EST. 1886-Story) mal außen vor, sind an dieser Stelle Lobeshymnen von biblischen Ausmaßen angebracht. Vielleicht neige ich hier auch zu Übertreibungen, weil ich eine Vorliebe für Designsprache habe aber die Qualität der Marketer lässt sich hier nicht unter den Teppich kehren.

In der Nase

Im der Nase enttäuscht Hendrick´s mich ein wenig. Wacholder-Noten gehen zu sehr unter und die Zitrusaromen, bleiben ebenfalls aus. Ein süßlicher leicht floraler frischer Duft dominiert von Alkohol ist der Eindruck, den ich zuerst hab.

Das ist etwas ernüchternd für jene, die nicht auf die Dominanz von Wacholdernoten verzichten möchten. Das soll der Sache aber auch keinen Abbruch tun. Schließlich ist Hendrick´s Gin nichts für jedermann.

Geschmack

Ich persönlich bin kein Fan von Gin pur, daher sagte mir diese Variante ohne nicht zu. Verdünnt mit ein wenig stillem Wasser entfaltet der Hendrick´s Gin allerdings sein volles Aroma. Hier kommen die Aromen von Gurken und Rosenblüten bestens zur Geltung. Dezente Nuancen von Wacholder und Zitrus runden das Ganze ab. Auch im Tonic zeigt Hendrick´s was in ihm steckt. Ich persönlich bevorzuge ja die Variante mit Fever Tree Tonic Water. An dieser Stelle sollte aber gesagt sein, dass man sich nicht von Grafiken, Poster und Hymnen, die einem aufzeigen welches Tonic zu welchem Gin passen, heiß machen sollte. Geschmäcker sind verschieden und bei der Wahl des Tonic Water sollte jeder seine eigene Lieblings-Kombination finden.

Fazit

Hendrick´s Gin ist ein guter Gin, der durch seine Platz da! Ich bin anders!-Mentalität dem Gin zu seinem heutigen Boom verholfen hat. Jedoch wird keine Suppe so heiß gegessen wie sie gekocht wird. Das Marketing macht einen klasse Job um ein Produkt an den Mann zu bringen, das sich eh nur schwer vergleichen lassen kann. Mit wem also messen? Der Wirbel um die Marke Hendrick´s hat eine Daseinsberechtigung, der um den Gin jedoch nicht so sehr. Das Produkt ist gut aber wiederum so speziell, dass richtige Gin-Fans meist noch mindestens zwei Hände voll mit Produkten haben, die sie dem Hendrick´s Gin vorziehen würden. In der Nase kommt einfach nicht genug um hier zu überzeugen. Geschmacklich gliedert er sich hingegen für mein persönliches Empfinden eher in der oberen Mittelklasse ein.

Original BeitragsbildDaniel Lobo lizensiert via CC BY 2.0 (Bid wurde bearbeitet)

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